Der Männergesangverein "Vereinigte Sänger"

1864 Ottersheim

Kurzfassung von Berthold Feldmann

Wenn auch die Protokollbücher aus der Gründerzeit des Männergesangvereins nicht mehr vorhanden sind, so weiß man dennoch aus anderen Unterlagen, dass im Jahr 1864 sangesfrohe Männer auf Anregung des Ottersheimer Lehrers Friedrich Reithmayer einen Männergesangverein gründeten.
Sicher reichen in Ottersheim die Anfänge des mehrstimmigen Männergesangs noch weiter zurück, denn bereits 1860 hatte Lehrer Anton Decker einen Kirchenchor ins Leben gerufen, dem zunächst nur Männer angehörten. Als dann kurz darauf aus dieser Sangesgruppe ein gemischter Chor entstand, die Männer aber weiterhin auch den mehrstimmigen Chorgesang pflegen wollten, ist wie bereits erwähnt der Männergesangverein gegründet worden. Erster Dirigent war dann auch der Lehrer Friedrich Reithmayer.
Die Begeisterung im neuen Verein war so groß, dass schon zwei Jahre später die damals so wichtige Vereinsfahne angeschafft wurde. Die Aufwärtsentwicklung hielt dann bis zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 an. Danach hielt sich die Sangestätigkeit eher in Grenzen.
Erst als 1886 der Lehrer Franz Stoeppler nach Ottersheim kam, entwickelte sich eine neue Blütezeit sängerischen Lebens. Ein Jahr später übernahm Schulverweser Friedrich Reif den Chor und führte ihn ebenso erfolgreich weiter. Im Jahr 1890 zählte der Verein bei 1008 Einwohnern 36 aktive und 10 passive Mitglieder.
Von 1899 bis 1902 war es Lehrer Friedrich Charrois, der den Männerchor zu hoher Leistung führte. Nach seinem Weggang wurde es um den Chor wieder ruhig, da sich niemand fand, der das Werk hätte fortsetzen können. Für zwei Jahrzehnte wechselten zu oft Chorleiter und Vorstand. Auch während des Ersten Weltkrieges war es ruhig um den Chorgesang. Zudem wurde in den Kriegswirren die aus dem Jahr 1866 stammende Vereinsfahne entwendet.
Im Jahr 1920 waren es Chorleiter Karl Leidecker und Vorsitzender Eduard Winkelblech, die neuen Schwung in den Verein brachten. Bereits 1921 konnte ein erstes Waldfest nach dem Krieg stattfinden. Ein Jahr später konnte als besonderes Ereignis die neue Fahne geweiht werden. Aus diesem Jahr wird auch berichtet: "Dass daneben der Chor noch Zeit fand, sich auf das Bundesfest des Speyergaus in Landau und das Wertungssingen vorzubereiten, beweist wieder einmal, wozu eine Chorgemeinschaft fähig ist, wenn sie vom rechten Geist beseelt ist."
Mit gleichem Elan ging es 1924 mit dem neuen Chorleiter August Jäger weiter, der in Ottersheim als Schulleiter tätig war. In großem Rahmen konnte das 60jährige Stiftungsfest gefeiert werden. Danach waren die Lehrer Albert Wadle bis 1927 und Ludwig Stibitz bis 1935 die Chorleiter des Männerchors.
Mit den "Sängerfreunden Fröhlich Pfalz" gab es um diese Zeit einen weiteren Männerchor. Er war aus einer seit dem Jahr 1911 im katholischen Arbeiterverein bestehenden Gesangsabteilung entstanden und hatte 1924 eine vereinsmäßige Form angenommen.
Als im Jahr 1931 Ludwig Gaab Vorsitzender des Männergesangvereins wurde, kehrte im Verein eine gewisse Kontinuität ein. Ihm war es dann auch zu verdanken, dass im Jahr 1933 ohne größere Schwierigkeiten - jedoch unter politischem Druck - der Zusammenschluss der beiden örtlichen Männergesangvereine zu den "Vereinigten Sängern" möglich war, weshalb noch heute zwei wertvolle Fahnen aus jener Zeit vorhanden sind.
Bis zum Jahr 1965 war Ludwig Gaab ein umsichtiger Vorsitzender der "Vereinigten Sänger". Der Verein nahm bis zum Zweiten Weltkrieg mit den Chorleitern Armin Frey und Fritz Steegmüller einen steten Aufschwung. Ein besonderer Höhepunkt war 1939 das 75jährige Stiftungsfest. Auch in den schwierigen Kriegsjahren konnte in geringem Maße mit Hauptlehrer August Foltz und einigen älteren Sängern die Sangestätigkeit beibehalten werden.
Auch nach dem Krieg konnte zunächst wegen des allgemeinen Vereinsverbotes nur wenig unternommen werden. Als dann 1948 den kulturellen Vereinigungen eine Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit erlaubt wurde, meldeten sich die "Vereinigten Sänger" mit vollem Einsatz zurück. Mit Hauptlehrer Hans Gensheimer fand sich ein ausgezeichneter Chorleiter, der bis zum Jahre 1968 für die chorische Arbeit zuständig war. Mit dem 100jährigen Stiftungsfest erreichte der Verein einen bemerkenswerten Höhepunkt. Regelmäßig fanden Konzerte und Liederabende statt.
Im Jahr 1965 löste Ludwig Steegmüller den langjährigen Vorsitzenden Ludwig Gaab ab. 1968 übernahm Hauptlehrer Berthold Feldmann die Chorleiterstelle bei den "Vereinigten Sängern". In gleicher Intensität und Kontinuität führte er die Arbeit seines Vorgängers fort. Wie zuvor bescheinigen die Protokollbücher und Tätigkeitsberichte die regelmäßige Teilnahme an den Wertungssingen und vielen sonstigen Veranstaltungen in und außerhalb der Gemeinde. Zudem stellte sich der Chor alljährlich beim Konzert oder Liederabend der Öffentlichkeit vor. Er nahm an allen Wertungssingen teil. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit der örtlichen Vereine.
Im Jahr 1974 wurde in festlichen Rahmen das 110jährige Vereinsjubiläum begangen. Das 120jährige Jubiläum im Jahr 1984 fiel bereits in die Amtszeit von Alois Hörner, der 1976 den Vereinsvorsitz übernommen hatte und in gleichem Sinne erfolgreich weiter arbeitete. Beim Jubiläumskonzert erhielten die Vereinigten Sänger das Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz, zuvor hatte der Chor schon die Zelter-Plakette erhalten. 1986 ließ sich der Verein als e.V. in das Vereinsregister eintragen.
Ein besonderes Festprogramm gab es 1989 zum 125jährigen Bestehen, das neben Konzert und der Gestaltung zweier Gottesdienste ein großes Festwochenende mit einem Bankett, mehreren Freundschaftssingen, einen Festumzug, den Heimatabend und ein Seniorentreffen umfasste. Zum Jahresabschluss gab es dann noch den Pfälzer Abend.
Im Jahr 1990 löste Herbert Schlindwein den langjährigen Vorsitzenden Alois Hörner ab, der wie Ludwig Steegmüller zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Damit war im Vereinsleben weiterhin Kontinuität gewährleistet. Bei der Teilnahme am bundesweit ausgeschriebenen Gold-Kehlchen-Festival im Jahr 1994 belegte der Männerchor mit dem französischen Volkslied "Wir kamen einst von Piemont" einen Platz unter den 15 besten Chören.
Das Jahr 1994 stand außerdem im Zeichen des 130jährigen Vereinsjubiläums, das am 7. Mai mit dem Jubiläumskonzert "Im Lied durch Europa" eröffnet wurde. Zum Festbankett und den übrigen Festtagen fanden sich viele Gastchöre in der Halle Hörner ein. Der von den einheimischen Vereinen gestaltete Heimatabend war ein besonderer Höhepunkt.
Beim Herbstkonzert des Jahres 2000 übergab Berthold Feldmann nach 32jähriger Tätigkeit die Chorleitung an Christian Kröper. Gleichzeitig wurde Berthold Feldmann zum Ehrenchorleiter ernannt. Zuvor hatte er im August mit der Einführung des "offenen Volksliedersingens" auf dem Dorfplatz eine inzwischen alljährlich stattfindende und bestens akzeptierte Veranstaltung ins Leben gerufen.
Im September 2001 erfolgte die Gründung des Kinder- und Jugendchors, für dessen Leitung sich Michael Feldmann zur Verfügung stellte. Bereits beim Martinusmarkt hatte der zunächst rund 40 kleine Sänger/innen starke Chor seinen ersten Auftritt. Im nachfolgenden Jahr gab sich der Chor den Namen "Queichtalbären". Das Adventskonzert in der vollbesetzten katholischen Kirche war die erste eigene und erfolgreiche Veranstaltung.
Auch im Jahr 2003 waren beide Chöre der "Vereinigten Sänger" mehrfach im Einsatz. Die Mitgliederzahl stieg auf 294.
Ein Rückblick im Jubiläumsjahr 2004 zeigt, dass all die Jahre Vereinsführung und Chorleiter ihre Aufgaben im Sinne der Satzung wahrgenommen und die Bedeutung des kulturellen Wirkens unter Beweis gestellt haben. Als weiteres Beispiel des allgemeinen Engagements sei noch erwähnt, dass bis jetzt bei jedem verstorbenen Vereinsmitglied der Grabgesang stattfinden konnte.
Neben der Pflege des Chorgesangs kam aber auch die Geselligkeit nie zu kurz. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang der traditionelle Vereinsball, die Ausflüge, das Schlachtfest, Radtouren, Wanderungen und sonstige gemütliche Zusammenkünfte.
Zur Zeit verfügt der Männerchor über 45 Sänger, die sich zusammen mit ihrem Chorleiter Christian Kröper in jährlich rund 40 Singstunden auf  verschiedene Auftritte vorbereiten. Der Kinder- und Jugendchor zählt um die 50 Mitglieder, die von ihrem Chorleiter Michael Feldmann auch mit Freizeitangeboten betreut werden.Die Homepage wurde von Jeremias Rössler erstellt und am 18.09.2005 offiziell ins Internet gestellt.                                                                               Ottersheim,18.09.2005 Berthold Feldmann


Letzte Aktualisierung am 18.09.2005

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